Sponti-Car in Hauptwil – Gottshaus

Ausgangslage

Hauptwil-Gottshaus ist wunderbar in der Naturlandschaft des Bezirk Weinfelden eingebettet. Die Historie geht weit zurück bis zur ersten schriftlichen Erwähnung 1413. Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben. Hauptwil-Gotthaus engagiert stark für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde. Das wurde auch klar mit dem Label Energiestadt 2017 bewiesen. Die Gemeinde umfasst mehrer verschiedene Weiler und Dörfer. Total leben 1799 (stand 31.12.2019) in der Thurgauer Gemeinde.

Besonders in der ländlichen Region sind Wege oft länger. Trotz dem Bahnanschluss in Hauptwil-Gotthaus besteht ein grosses Bedürfnis nach individueller Mobilität um die umliegenden Orte einfach und schnell zu erreichen. Mit der Lancierung von Sponti-Car im Sommer 2019 hat die Gemeinde ein Angebot geschaffen welches Nachhaltigkeit in der Mobilität durch teilen der Ressourcen sowie Elektromobilität vereint.

Ergebnis

Seit dem Start wurde das Elektroauto in Hauptwil exakt 176 mal gebucht (Stand 12.06.2020). Das entspricht annähernd 0.50 Buchung pro Tag und fast 5.00h pro Buchung.

Total wurde eine Strecken von 5892 Km zurück gelegt.  Die Gemeinde hat zusammen mit Sponti-Car über 1770 Kg CO2 eingespart.

Renault Zoe 2019

Reichweite 250 – 330 Km

Ausstattung

Navigation, Klimaanlage, Rückfahrkamera mit Parksensoren, DAB+ Radio.

Ladeanschluss

Typ 2 für vollständige Ladung innert 150 min.

Eine Stimme aus der Gemeinde

«Ländlicher als bei uns ist es fast nirgends»

Matthias Gehring, Gemeindepräsident Hauptwil-Gottshaus

(14. Mai 2020, Sascha Erni, rb@nggalai.com)

 

In Hauptwil-Gottshaus steht seit 2019 ein Sponti-Car zur Verfügung. Wie kam es dazu?

Ich las in einer Email von diesem elektrischen Car-Sharing. Ich fand das eine coole Sache und brachte die Idee in den Gemeinderat ein. Mark Ritzmann von Sponti-Car stellte das Konzept persönlich vor, wir nahmen es ins Budget auf. Die Gemeindeversammlung stimmte dann dem Budget zu.

Können Sie bereits ein erstes Fazit ziehen?

Als wir starteten, legten wir fest, dass wir die Situation in zwei Jahren überprüfen und erst dann ein Fazit ziehen werden. Hauptwil-Gottshaus ist eine Landgemeinde, eine sehr weitläufige Gemeinde. Die Standortwahl für den Sponti-Car ist also entscheidend. Ich bin der Meinung, dass unser Car-Sharing sehr gut funktioniert. Die Leute nutzen das Angebot. Klar, es könnte noch häufiger genutzt werden. Aber die letzten Monate war der Bedarf wegen Corona sowieso geringer.

Haben Sie Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten?

Es gibt Einwohner, die sehr froh über das Angebot sind und es regelmässig nutzen. Und wir haben praktisch kein negatives Feedback bekommen. Wir von der Verwaltung nutzen den Sponti-Car ebenfalls sehr häufig. Unsere Mitarbeitenden sind angeleitet, falls möglich alle Dienstfahrten mit dem E-Auto zu tätigen. Ich selbst nutze den Wagen auch oft, wenn er frei ist.

Wie war denn Ihre erste eigene Fahrt?

Es war nicht sehr anders, als mit einem anderen E-Auto. Ein sehr angenehmes Fahren. Ich finde elektrische Fahrzeuge allgemein eine gute Sache, gerade für Gemeinden und auf Kurzstrecken. Privat fahre ich schon mal mit einem E-Trottinett, wenn das Wetter stimmt. (lacht)

Wird Ihre private Mobilität auch von neuen Ansätzen wie Car-Sharing beeinflusst?

Nein. Meine Familie hat bis vor kurzem relativ abgelegen gewohnt, in einem Weiler, den man praktisch nur mit dem Auto erreichen kann.

Also sind das eher Konzepte für Ballungsräume?

Nein! Das ist auch eine Chance für den ländlichen Raum. Die Fahrzeuge müssen aber strategisch klug positioniert sein, damit man ohne grossen Aufwand an sie rankommt. Es ist klar, dass niemand fünf bis sechs Kilometer mit dem Velo rumfährt, um dann aufs Auto umzusteigen.

Was können Sie Gemeinden raten, die das Sponti-Car-Konzept in Erwägung ziehen, aber noch zögern?

Einfach ausprobieren! Schlussendlich weiss man im Voraus nicht, wie die Einwohnerinnen und Einwohner darauf reagieren werden. Man kann nicht wissen, wie oft es genutzt werden wird oder nur schon, wie gross das Bedürfnis in der Bevölkerung tatsächlich ist. Mobilität ist ein Grundbedürfnis, aber wie genau Mobilität gelebt wird, erfährt man erst in der Praxis.

Wie wird sich die Mobilität Ihrer Meinung nach entwickeln? Welche Rolle wird der individuelle, motorisierte Verkehr in Zukunft noch spielen?

Hätten Sie mich Ende letztes Jahr gefragt, hätte ich gesagt, dass es in Richtung Sharing-Ökonomie geht. Jetzt jedoch denke ich, dass uns der Individualverkehr erhalten bleiben könnte. Corona hat zu Themen wie ÖV oder Car-Sharing nichts wirklich Positives beigetragen. Es wird dauern, bis man wieder das Vertrauen hat, Schulter an Schulter nebeneinander zu reisen, oder fremde Fahrzeuge zu nutzen.